Das Zeichen des Widders von Fred Vargas und Edmond Baudoin

Als ich vor ein paar Jahren mit der Lektüre von Die dritte JungfrauDie dritte Jungfrau von Fred Vargas begann, wurde mir bereits nach wenigen Seiten klar, dass ich soeben eine neue Lieblingsautorin entdeckt hatte: Das Buch war ein Geschenk gewesen und ich hatte mich auf einen herkömmlichen Krimi eingestellt. Wer aber schon mal einen Blick in ein Buch von Fred Vargas geworfen hat, weiß, dass die Autorin nicht viel mit herkömmlichen Handlungsverläufen oder konventionellen Charakteren am Hut hat. Und so wurde auch ich schnell von den seltsamen, aber faszinierenden Ermittlungsmethoden des Kommissar Adamsberg in den Bann gezogen und es landeten nach und nach weitere Bücher dieser Reihe auf meinem Nachttisch … So kam es dann auch, dass ich während einer meiner Streifzüge durch diverse Buchhandlungen schließlich auf Das Zeichen des Widders gestoßen bin – eine Graphic Novel von Fred Vargas, illustriert von der französischen Comiclegende Baudoin!

Die beiden Gelegenheitsgauner Vincent und Grégoire begehen einen folgenschweren Fehler, als sie einen scheinbar harmlosen alten Mann überfallen und ihm die Tasche stehlen. Zwar befinden sich darin 30.000 Euro in bar, der restliche Inhalt – unter anderem Knochensplitter, Haarbüschel und Zähne – gibt dafür allerdings umso weniger Anlass zur Freude. Als Grégoire am nächsten Morgen Vincent in seiner Wohnung aufsucht, um das weitere Vorgehen zu besprechen, ist dieser bereits tot – ermordet und mit einem Zeichen versehen, das Kommissar Adamsberg bereits von anderen Opfern eines bisher nicht gefassten Serienmörders zu kennen glaubt …
Das Zeichen des Widders ist ein typischer Vargas: Die Figuren sind auf verschrobene Weise charmant, die Handlung wird nicht stringent erzählt, sondern gleitet manchmal etwas ins Surreale ab. Gerade den letzten Punkt empfand ich bei der Lektüre allerdings nicht so ausgeprägt wie bei manchen Romanen der Kommissar Adamsberg-Reihe, die oft auf sehr viel Zufall und teils wenig glaubwürdigen Zusammenhängen fußen.
Neben dem gewohnt langsam und verträumt agierenden Kommissar Adamsberg und seinem hochintellektuellen Kollegen Inspektor Danglard ist es vor allem Grégoires sympathisch durchgeknallte Familie, die auch in Das Zeichen des Widders für den typisch skurrilen Charme dieser Krimireihe sorgt: So sammelt Grégoire in den Straßen von Paris Kronkorken und Bierdosen, damit sein Vater damit eine riesige Nachbildung des Vier-Ströme-Brunnens von Bernini im eigenen Garten nachbauen kann, während sein ältester Bruder Gauthier sich auf einem unwirtlichen Gelände zwischen Schrottplatz und Autobahn als Bauer versucht und dabei alle Hände voll zu tun hat, die Fluchtversuche seines Zwerghuhns namens Calamity Jane zu unterbinden …

Was die künstlerische Ebene anbetrifft, so ist Edmond Baudoin, der in Frankreich auch als „Meister des Schwarzweiß“ bekannt ist, seinem Stil treu geblieben: Die Konturen der Zeichnungen sind in kräftigen schwarzen Linien gehalten, während sowohl Silhouetten als auch Gesichtszüge der Figuren eher angedeutet werden – somit werden ihre Körperhaltung und ihre Bewegungen betont. Als Leserin der Kommissar Adamsberg-Reihe finde ich diesen Stil prima, denn auf diese Weise kollidieren die Illustrationen nicht mit der eigenen Fantasie – ein Problem, das wohl viele Leser von Buchverfilmungen her kennen dürften.

Generell lässt sich an dieser Stelle wohl sagen, dass Das Zeichen des Widders kein klassischer Comicroman ist, denn die Panels mit dem auffälligen Zeichenstil werden von (für dieses Medium) unüblich langen Textpassagen unterbrochen. Ich nehme an, dass es sich hierbei um ein Zugeständnis an den typischen Vargas Leser handelt, der vielleicht gewillt ist, für einen Kommissar Adamsberg auch mal in einen Comic zu schauen, dafür aber noch lange nicht dazu bereit ist, auf den unnachahmlichen Stil dieser Autorin zu verzichten. Darauf deutet auch die Tatsache hin, dass der Aufbau Verlag selbst das Buch als Roman von Fred Vargas „mit Zeichnungen von Baudoin“ vermarktet hat – eine Strategie, die aufgegangen ist: Das Zeichen des Widders war dermaßen erfolgreich, dass es inzwischen eine weitere ZusammenarbeitLink zu Die Tote im Pelzmantel von Fred Vargas von Vargas mit Baudoin gibt. Bleibt zu hoffen, dass es nicht die Letzte sein wird!

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