Vasmers Bruder von Peer Meter und David von Bassewitz

Vasmers Bruder von Peer Meter und David von Bassewitz

Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange genug in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.

Mit diesem weltbekannten Zitat Friedrich Nietzsches leitet Peer Meter den letzten Band seiner Serienmörder Trilogie ein. Und tatsächlich: In Vasmers Bruder geht es weniger um den Serienmörder und Kannibalen Karl Denke als um die Frage, was das Erforschen solcher Gräueltaten mit der Psyche eines Menschen anrichten kann.
Genau dies tut nämlich Martin Vasmer, als er sich auf die Suche nach seinem verschwundenen Bruder begibt: Hans-Georg ist für eine Film-Dokumentation über Karl Denke in dessen Heimatort Münsterberg – dem heutigen Ziebice – gereist, um dort eine Vorortrecherche durchzuführen. Als nach einigen verworrenen SMS der Kontakt vollständig abbricht, bleibt Martin nichts anderes übrig als ihm nachzureisen, um so seine letzten Schritte rekonstruieren zu können. Hierbei wird er unweigerlich auch mit den Taten von Hans-Georgs Rechercheobjekt konfrontiert, die er zwar abstoßend, zugleich aber auch faszinierend zu finden scheint. Und somit wird er immer mehr in die Gedankenwelt des Serienmörders hineingezogen, bis er sich schließlich ganz in ihr verliert …

Wie die kurze Zusammenfassung bereits vermuten lässt, ist Denke in Vasmers Bruder eher eine Randfigur: Denn wie in Gift und Haarmann geht es hier nicht um eine detaillierte oder gar blutrünstige Rekonstruktion der Verbrechen. Aber im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Bänden wird in Vasmers Bruder auch kein sonderlich großes Schlaglicht auf die gesellschaftlichen Verhältnisse geworfen, die dazu geführt haben, dass Denke seinem mörderischen Treiben jahrzehntelang vor den Augen seiner Nachbarn unbehelligt nachgehen konnte. Der Schwerpunkt liegt hier wirklich auf der psychologischen Entwicklung des Protagonisten Martin Vasmer.

Wer also mehr über Karl Denke erfahren will, sollte sich den historischen Überblick durchlesen, den Peer Meter am Ende des Buches zusammengestellt hat. Wie auch schon bei Gift und Haarmann hat mir dieses Extra aufgrund seiner kurzen, aber sehr präzisen Art besonders gut gefallen; man merkt einfach, dass der Autor für das Thema „deutsche Serienmörder“ brennt und dazu auch bereits mehrere Sachbücher verfasst hat!
Da Denke aber Zeit seines Lebens ein verschlossener Eigenbrötler war und sich kurz nach der Verhaftung in seiner Zelle erhängte, ist nur wenig über sein Leben und so gut wie nichts über die Motive seiner Taten bekannt. Die einzig gesicherten Erkenntnisse über den 1860 geborenen Kannibalen, der das Fleisch seiner Opfer in einer Art Sahnesoße einzulegen pflegte und deren Haut auch mal zu Schnürsenkel und Lederriemen verarbeitete, werden in Vasmers Bruder auch aufgegriffen; daher möchte ich an dieser Stelle nicht näher darauf eingehen …

Illustriert wurde Vasmers Bruder von David von Bassewitz, der hierfür neben Bleistift und Ölkreide auch die Frottage-Technik verwendete (das kann man sich als eine Art strukturierter Grauschleier über den eigentlichen Zeichnungen vorstellen). Die Illustrationen sind dadurch sehr düster ausgefallen; abgesehen von einigen hyperrealistischen Details wie Gesichter und Gebäude sogar so düster, dass viele Gegenstände und Hintergründe nicht mehr erkennbar sind. Für meinen Geschmack war das etwas zu viel des Guten.

Alles in allem bildet Vasmers Bruder jedoch einen gelungenen Abschluss zu Peer Meters Serienmörder Trilogie. Mein Lieblingsband dieser Reihe wird aber wohl Gift bleiben!

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